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Pöllau im Vorfeld der Musikschulgründung

Der historische Markt Pöllau ist eingebettet in die reizvolle Landschaft des Naturparks Pöllauer Tal. Die Vielfalt zeigt sich in baulichen Sehenswürdigkeiten des Ortes und den zahlreichen kulturellen Aspekten. Das Musikleben der Region hat sich aus verschiedenen Wurzeln entwickelt, wobei das Augustiner-Chorherrenstift eine wichtige Rolle spielt.
Will man die musikgeschichtliche Entwicklung des Marktes Pöllau im Besonderen beschreiben, so lässt sich festhalten, dass das musikalische „Erbe“ dieses Ortes das Ergebnis einer langjährigen, von vielen Seiten gepflogenen Tradition darstellt, deren Wurzeln sich nachweislich bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Seit damals liegen schriftliche Belege für eine musikalische Tätigkeit, aus der Zeit des Augustiner-Chorherrenstiftes vor.
So ist es nicht verwunderlich, dass es vor allem Personen aus dem kirchlichen Umkreis waren, die dem Ort durch ihr musikalisches Wirken ihren Stempel aufdrückten und sich Pöllau dadurch in künstlerischer Hinsicht zu einer „Perle der Oststeiermark“ entwickelte, die noch heute weit über die Grenzen des Pöllauer Tales hinausstrahlt.

1929_KonzertAuch wenn die Quellen zur Frühgeschichte des Pöllauer Tales spärlich fließen, so wissen wir doch, dass die handelspolitisch günstige Lage des Ortes nicht nur einen beträchtlichen Wohlstand, sondern auch einen hohen Stand aller kulturellen Belange mit sich brachte. Wertvolle musikalische Impulse erhielt der Ort durch das Wirken des Augustiner–Chorherrenstiftes, dessen Ausgabenbuch Zeugnis von der Ausübung einer hoch stehenden sakralen Musik ablegt. Aber auch für die profane Musik war Pöllau mit seinem Marktplatz ein ständiger Anziehungspunkt für fahrende Spielleute, wie ein Schreiben des Abtes von Rain an die Bürgerschaft von Pöllau im Jahr 1781 beweist. Nach Aufhebung des Augustiner-Chorherrenstiftes im Jahre 1785 wurde das Andenken an eine gemeinsame musikalische Vergangenheit in den Bürgerhäusern weiter gepflogen. Darüber hinaus erfahren wir aus den Quellen, dass um das Jahr 1850 die Lehrer der Trivialschule bereits privaten Musikunterricht erteilten und damit das kulturelle Leben des Ortes auf eine breitere Basis gestellt wurde.

Nach der Einführung der Selbstverwaltung der Gemeinden stellte das Wirken von Dechant März in den Jahren von 1860 bis 1866 zweifellos einen ersten Höhepunkt des bürgerlichen Musiklebens in Pöllau dar. Der von März im Jahre 1860 gegründete Musik- und Gesangsverein, die in Kirchenchor und Blaskapelle betriebene vereinsmäßige Musikausübung sowie das häusliche Musizieren standen im Mittelpunkt der künstlerischen Betätigung und bewirkten, dass sich der Ort zu einem musikalischen „Gravitationszentrum“ ersten Ranges entwickelte und zu jener Zeit den musikalischen Vergleich mit Graz nicht zu scheuen brauchte. Mit dem Tod von Dechant März im Jahre 1866 ging dieser Höhepunkt des musikalischen Lebens in Pöllau vorläufig zu Ende.

Obwohl die Musik in Pöllau weiterhin in Ehren gehalten wurde und es niemals an Organisten und Lehrern mangelte, welche Musikunterricht erteilten, so fehlte doch eine mit Visionen und organisatorischem Geschick ausgestattete Persönlichkeit, um an die Ära Dechant März anzuschließen. Eine solche überragende Persönlichkeit betrat Ende der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts mit Kaplan Dr. Anton Lippe die musikalische Bühne. Dieser Mann - er stieg später zum Hofkapellmeister in Wien und zu einem der führenden Chorfachmänner Österreichs auf - gab dem Pöllauer Musikleben neue Impulse und initiierte das drei Tage dauernde Musikfest im Jahre 1929, welches eine musikalische und organisatorische Leistung ersten Ranges war und allen Beteiligten aufgrund der hohen musikalischen Qualität der aufgeführten Werke in bester Erinnerung geblieben ist.

Die Gründung der Musikschule

Die Erinnerung an das gemeinsame musikalische Erbe blieb im Gedächtnis vieler Pöllauer Gemeindebürger lebendig und wurde zur Triebfeder im Denken und Handeln jener Musiker, welche Mitte des 20. Jahrhunderts die Bühne betraten und denen es vorbehalten blieb, die Basis für die weitere künstlerische Entwicklung zu legen und die damit dem Ort in kultureller Hinsicht einen unschätzbaren Dienst erwiesen haben.
Zu Zeiten des Musiklehrers und Organisten Hans Fauster sowie seines Schülers Franz Zeyringer war das allgemeine Bedürfnis nach Instrumentalunterricht in Pöllau stark angestiegen, so dass eine steigende Nachfrage mittels Privatunterricht nicht mehr befriedigt werden konnte und nach zeitgemäßeren Formen des Musikunterrichtes Ausschau gehalten werden musste.
Franz Zeyringer, der nach erfolgreich abgeschlossenem Studium am Landeskonservatorium in Graz im Jahr 1950 eine Privatmusikschule gründete, erkannte zu Recht, dass die rasch wachsende Schüleranzahl den Rahmen einer Privatmusikschule überstieg und setzte sich mit Nachdruck für die Gründung einer Musikschule in Pöllau ein, eine Forderung, welche auch bei den Gemeindevätern aufgrund der von ihnen miterlebten schönen musikalischen Vergangenheit auf fruchtbaren Boden stieß.
So kam es, dass nach Verhandlungen mit der Steiermärkischen Landesregierung im März 1954 vom Gemeinderat der Marktgemeinde Pöllau der einstimmige Beschluss gefasst wurde, den Vorschlag in die Tat umzusetzen. In der Folge wurden im Südtrakt des Schlosses Pöllau jene Räume neu adaptiert, modernst und sachgemäß ausgestattet, die zusammen mit dem herrlichen Freskensaal kulturgeschichtlich betrachtet an und für sich schon ein kleines Juwel darstellen. 
Franz Zeyringer wurde zum hauptamtlichen Leiter bestellt und mit Hans Gamper sen. - Lehrer für alle Blasinstrumente - und Erich Strobl – Lehrer für Zither - wurden zwei weitere, nebenbeschäftigte Musiklehrer angestellt. Als provisorischer Unterrichtsraum diente ein Raum im Schloss Pöllau. Somit konnte die Musikschule Pöllau am 10. Jänner 1955 mit 51 Schülern und 3 Lehrkräften den Unterrichtsbetrieb aufnehmen.

 

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